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Leseprobe

Abraham und seine Frau Sara kamen ursprünglich aus der Stadt Ur in Mesopotamien (heutiger Irak). Wie erwähnt, wurde dem Fünfundsiebzigjährigen, der bis dato noch keine Kinder hatte, von Gott eine große Nachkommenschaft verheißen. Abraham solle aber in ein fremdes Land ziehen, das er, Gott, ihm noch zeigen würde. Obwohl Abraham Gott noch nicht groß kannte, vertraute er Gott und wechselte auf dessen Veranlassung hin seinen Wohnort, wo er sich in Hebron,rund dreißig Kilometer südlich von Jerusalem, niederließ. Sein Neffe Lot nebst Familie durften sich ihm anschließen und siedelten sich am damals äußerst fruchtbaren Südufer des Salzmeeres, bei Sodom und Gomorra an Ende des Toten Meeres, circa dreißig Kilometer östlich von Hebron, an.

Als Abraham hier ankam, musste er zu seinem Schrecken feststellen, dass gerade eine Hungersnot herrschte und er sich dadurch keine neue Existenz aufbauen konnte. Wo hatte Gott ihn bloß hingeführt?

Der Mensch ist jetzt geneigt zu fragen, wieso führte Gott einen der ihm vertraute, mit dem Versprechen einer grandiose Zukunft und vielen Nachkommen, aus seiner Heimat in ein Land wo gerade Hungersnot herrschte, wo man bekanntlich keine neue Existenz gründen kann, geschweige sich zahlreich vermehren? Hatte Gott kein aktuelles Wissen über die Verhältnisse von Kanaan? War das ein Versehen?
Nur wenn ein Land fruchtbar war, konnten Existenzen gegründet werden, konnten sich Menschen vermehren. Galiläa war z.B. zurzeit Jesu, so fruchtbar, dass es dort laut Flavius Josephus keine Stadt unter fünfzehntausend Einwohnern gab. Hohe Fruchtbarkeit bedeutete eine hohe Bevölkerungszahl und Nachkommenschaft. Das war Abraham von Gott verheißen. Aber die unwirtlichen Verhältnisse würden gerade zum Gegenteil führen. Dürre, Hungersnot, Überlebenskampf waren keine Voraussetzungen zu einem großen Volk zu werden.

Abraham hatte keine Antwort, aber er setzte seinen Verstand ein und wich bis sich die Lage normalisierte, für einige Zeit nach Ägypten aus. Das Vertrauen zu seinem Gott hatte das allerdings nicht beeinträchtigt.
Für religiöse Menschen könnte genau dieses Verhalten Abrahams ein Lehrbeispiel sein: nicht Gott enttäuscht den Rücken kehren, sondern den Verstand einschalten und handeln. Warum werfen die meisten ihr Vertrauen in Gott so schnell weg? Ein Sprichwort sagt doch: „Die Addition wird unter dem Strich gemacht und nicht dazwischen.“

So auch bei Abraham.
Abrahams Frau Sara musste sehr hübsch und attraktiv gewesen sein. Selbst noch im höheren Alter von über sechzig Jahren. Um nicht wegen ihr getötet zu werden, falls einer der Mächtigen Ägyptens seine Frau begehren sollte, gaben sie sich aus Sicherheitsgründen als Geschwister aus, was im gewissen Sinne auch stimmte, denn sie war ja seine Halbschwester. Die Oberen am Hofe des Pharao erkannten natürlich die Schönheit Saras und berichteten Pharao darüber. Dieser ließ sie auch gleich in seinen Harem einverleiben. Abraham wurde im Gegenzug reich beschenkt. Schafe, Rinder, Esel, Knechte und Mägde, Eselinnen und Kamele.

Aber Gott drückte den Pharao und sein Haus wegen Sara mit Plagen, weil er Unrecht getan hatte, wenn auch unwissentlich. Offensichtlich hatte der Pharao aber erfahren, dass Sara Abrahams Frau war und ließ ihn rufen und machte ihm deswegen Vorwürfe. Er hätte sie nie zur Frau genommen, hätte er das vorher gewusst. Aber er blieb Abraham gnädig gestimmt und veranlasste sogar, dass Abraham unter Geleitschutz seiner Garde wieder in seine Heimat zurückkehren konnte. Er durfte sogar seinen Reichtum behalten. Es heißt in der Heiligen Schrift: „Abraham aber war sehr reich an Vieh, Silber und Gold“ (1.Mos13,2).

Wir halten fest: Erst eine schlimme Notlage, die am Segen Gottes starken Zweifel aufkommen ließen, dann entpuppt sich diese Notlage als ein unerwarteter Segen für Abraham, den Gott damit unvorstellbar reich gemacht hatte. Von wegen, „hatte Gott keine Kenntnisse über die wirtschaftlichen Verhältnisse in Kanaan, als er Abraham dorthin beorderte“. So etwas gibt es nur bei Gott. Er lässt dich manches Mal in eine Notlage kommen und segnet dich damit.

Hebron, oder auch „Hain Mamre“ genannt, war nun sein Domizil, nur wenige Kilometer südlich von Jerusalem.