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Leseprobe

En Gedi ist eine von vielen Höhlen in der Judäischen Wüste. Aber wieso besitzt diese Felsengrotte solch eine Bedeutung?

Das hängt mit König David und König Saul zusammen.

Wie erwähnt, wurde Saul von Gott verworfen. Es gab ja keine Kommunikation mehr zwischen Gott und Saul. Aber Saul ist daran nicht gestorben, er regierte anschließend noch rund 20 Jahre, halt ohne Gott.
Unmittelbar nach dieser Verwerfung, lange vor Sauls Tod, wurde David durch Samuel zum König gesalbt. Heimlich, niemand wusste davon.
Bei seiner Salbung war David noch jung, ein Hirtenjunge, der die Schafe zu hüten hatte. Bis heute ist es ein Geheimnis warum Gott ausgerechnet ihn auserwählt hatte.
Viele Leser denken jetzt vielleicht, warum trifft nicht mich so ein Glück? Warum passiert nicht mir einmal so was, von Gott zu einem König oder einer berühmten Person berufen zu werden?
Wenn man aber erfährt, wie es David über lange Jahre ergangen ist, was er alles durchzumachen hatte, dann will, glaube ich, keiner mehr mit ihm tauschen.
Nach seiner Salbung zum späteren König musste er sich erst einmal Meriten verdienen. Das wurde sehr, sehr hart. Der Weg dorthin war menschenverachtend, mit Demütigungen, Verfolgung und permanenter Todesgefahr verbunden.

Schon früh ergab sich die lebensgefährliche Herausforderung durch den Riesen Goliat. Wie war es dazu gekommen? Von seinem Vater beauftragt kam David in das Heerlager der Israeliten, wo einige seiner älteren Brüder sich unmittelbar auf eine Schlacht mit den Philistern vorbereiteten. Die Philister machten jedoch den schlauen Vorschlag, es sollte nicht Heer gegen Heer kämpfen, sondern es sollte ein Kampf zwischen den beiden Stärksten aus jedem Lager erfolgen. In antiker Zeit eine herausragende Möglichkeit Ruhm zu erlangen. Das Problem, Israel verfügte nicht im Ansatz über einen gleichwertigen Kämpfer. Keiner traute sich. Nicht einer stand in der Bereitschaft, auch nicht um der Ehre willen, zu kämpfen bzw. zu sterben.
Währenddessen spottete und lästerte Goliat, was das Zeug hielt. Hohn und Spott waren in damaliger Zeit mit das Schlimmste. David bekam das jetzt alles zu Ohren und wunderte sich, wieso niemand bereit war, gegen diesen Fleischberg, diesen Koloss anzutreten, zumal er gegen „Gottes Volk“ höhnte.
Sein Volk zu verlästern, dem Volk des großen Gottes Hohn zu sprechen, das ging nicht. Das ging eindeutig zu weit. Das hatte ihn zutiefst getroffen. Wieso ließen sich der König und seine Hauptleute so etwas gefallen? Wie lange wollten sie noch unentschlossen bleiben? Wieso war niemand bereit, für die Ehre seines Volkes, des Volkes Gottes, diesem Lästerer das Maul zu stopfen? Obwohl noch ein Hirtenjunge, ohne militärische Ausbildung oder gar Erfahrung im Einzelkampf, ließ ihn ein Gedanke nicht mehr los: Wenn niemand zum Kampf bereit war, er würde sich diesem Gegner stellen. Er war sich plötzlich überraschend sicher, Gott würde ihm beistehen. Mit seinem Beistand konnte er rechnen, das war seine Überzeugung, das war sein festes Wissen. Mit tiefster Überzeugung, wie wenn Gott ihn dazu explizit berufen hätte, fasste er dann den schicksalhaften Entschluss, sich Goliat zu stellen.

Sein Gegner: ein trainierter, in vielen Schlachten erfahrener, unbesiegter und gepanzerte Riese, der über drei Meter groß war! Allein seine Rüstung hatte ein Gewicht von rund sechzig Kilo.
Das interessierte David nicht besonders. Für ihn war Goliat ein Gotteslästerer, der das Volk des Allmächtigen herausforderte. Für David war sonnenklar, auf wessen Seite Gott war, wer mit seiner Hilfe rechnen konnte.
Dieser Glaube, nein, diese Überzeugung, machte den wesentlichen Unterschied zwischen David und allen anderen aus dem Heerlager der Juden aus. Niemand, nicht mal Saul, hatte diese Zuversicht. Für David unverständlich, es ging doch um die Ehre des Volkes Gottes, ihr war man verpflichtet, die Ehre eines besonderen Volkes musste gerettet werden!
Obwohl noch Jugendlicher, hatte sich diese besondere Einstellung bei David gezeigt. Für die Ehredes Volkes Gottes, für die Ehre Gottes zu streiten, war Teil seiner Lebensphilosophie, seines Selbstverständnisses. Er sah darin seine Lebensaufgabe!

Und dann folgte etwas zum Lernen, was man auch heute noch beachten sollte:
David musste zunächst feststellen, dass alle zur Verfügung gestellten Rüstungen und Kriegswaffen nicht passten. Überhaupt waren Körperpanzer und Schwerter nicht seine Sache. Darin hatte er keinerlei Erfahrung, sie waren ihm fremd.
Er besann sich stattdessen auf seine eigene Stärke: seine Steinschleuder, die er als Hirte stets bei sich führte und täglich einsetzte. Mit der Steinschleuder hatte er Übung, damit war er überragend. Das war sein Können, hierin hatte er eine geniale Fertigkeit. Nicht mit dem Kriegswerkzeug anderer, in denen er keine Übung hatte, wollte er sich zur Wehr setzen, sondern mit seiner Waffe, mit seiner Schleuder. Damit wurde er für jeden gefährlich. Ob Wolf, Löwe oder Bär, sie alle hatten seine Treffsicherheit bereits zu spüren bekommen. Wie oft hatte er mit ihr in den einsamen Stunden, wenn er die Schafe hüten musste, geübt. Tausende Male hatte er sie benutzt, aus Langeweile, in der Einsamkeit des Weidelandes seine Trefferquote perfektioniert. Auf immer kleinere Ziele geschossen. Seine Trefferquote lag bei fast hundert Prozent. Er wusste auch genau, welche Art von Kiesel er dafür nur verwenden durfte. Diese trug er heute zum Glück in seinem Futteral.

Als Goliat bemerkte, wen man ihm als Gegner schickte, fühlte er sich beleidigt. Wieso schicken die ein Kind mit einem Hirtenstab? Haben die etwas verwechselt? Wie soll er gegen so einen Wicht zu Ruhm kommen? Ist er ein Hund, dass man ein Kind mit einem Stock gegen ihn antreten lässt?
Es war aber die richtige Antwort, der Riese wurde dadurch aufs Ärgste gedemütigt. Nicht der Größte und Kräftigste wollte sich mit ihm messen, sondern ein Jugendlicher, ohne Rüstung, ohne Schwert, nur mit einem Stab in der Hand!
Mehr Verachtung ging nicht.
Wenn er diesen Wicht mit einem ersten Hieb niederschlägt, bedeutete das keinen Ruhm, sondern eher Gespött. Aber er musste sich stellen, so waren die Regeln.
Missmutig, verärgert und völlig überheblich bewegte sich Goliat auf dieses Kind zu. Er wollte es kurz machen.
- Es wurde auch kurz!
In aller Ruhe holte David einen Kiesel aus seiner Tasche und legte diesen in das Futteral seiner Steinschleuder, so wie er es schon tausende Mal getan hatte. Zwei, -drei Drehungen, und sein Arm blieb blitzartig in der Luft stehen. Nur geübte Augen konnten das Geschoss fliegen sehen. Lautlos, nur ein kleines Zischen, und Goliat knallte mit dem Gesicht auf den steinigen Boden. Niemand hatte einen Einschlag auf seiner Rüstung gehört geschweige gesehen.
Was war geschehen?
Der Kampf hatte doch noch gar nicht begonnen. David lief weiter zu ihm und stellte mit Genugtuung fest: Der umfangreich durch Rüstung geschützte Goliat, mit seinem 60 Kilo-Panzer, wurde empfindlich an der Stirn getroffen, an seiner einzigen ungeschützten Stelle. Was für ein Schuss, was für ein Treffer! David, immer noch völlig cool, zog Goliats Schwert und hieb ihm mit einem Streich den Kopf ab. Zack, einfach so. Jetzt hatte er den Kopf in der Hand.
Ohne militärische Ausbildung, ohne Erfahrung im Nahkampf, ohne Panzerung, ohne eigenes Schwert!
Ein Jüngling fällte einen Riesen nur mit einer Steinschleuder und Gottes Beistand. Eine Geschichte, die weltberühmt wurde und heute noch fast jeder kennt.