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Leseprobe

Kapernaum ist für die Christenheit eine der bedeutendsten Stätten. Hier lebte Jesus dreieinhalb Jahre, während er sein Erlösungswerk aufbaute und sein Opfer vorbereitete.

Er vollbrachte dort nicht nur sein erstes Wunder, nein er vollbrachte einige Zeit später ein weiteres Wunder:

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit wurden einem Menschen die Sünden von Gott vergeben! Man stelle sich vor, über hunderttausend Jahre mussten Menschen auf so eine Gnadentat Gottes warten. Das Alte Testament berichtet oft von der Hoffnung, dass Sündern einmal die Sünden vergeben werden können. Die Propheten, die Psalmisten, andere Lehrer des Alten Testaments sehnten sich danach und schrieben über diese grandiose Hoffnung. Sie priesen den Menschen glücklich, dem die Sünden vergeben, dem sie erlassen werden. Was bis jetzt noch nie in der Menschheitsgeschichte geschehen konnte, passierte zum ersten Mal in Kapernaum. Was für eine Bedeutung für diese Stadt.

Jetzt könnte man einwenden, was war dann mit den Sündopfern, die im Alten Testament zur Sühnung der Sünden durch die Priester gebracht wurden? Diese Opfer wurden doch wegen der Sünden dargebracht. Wurden damit nicht die Sünden vergeben? Im Hebräerbrief lesen wir hierzu eine schöne Klarstellung: »Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen. Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt, (Ps40, 7-9): »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir geschaffen. Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Da sprach ich: Siehe, ich komme - im Buch steht von mir geschrieben -, dass ich tue, Gott, deinen Willen.« Zuerst hatte er gesagt: »Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer hast du nicht gewollt, sie gefallen dir auch nicht«, obwohl sie doch nach dem Gesetz geopfert werden. Dann aber sprach er: »Siehe, ich komme, zu tun deinen Willen.« Da hebt er das Erste auf, damit er das Zweite einsetze. Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und jeder Priester steht Tag für Tag da und versieht seinen Dienst und bringt oftmals die gleichen Opfer dar, die doch niemals die Sünden wegnehmen können. Dieser (Jesus) aber hat »ein« Opfer für die Sünden dargebracht und sitzt nun für immer zur Rechten Gottes.« (Heb10,1-8)

Wer war diese Person, der Jesus als ersten Menschen in der Menschheitsgeschichte die Sünden vergeben hatte? Es war ein Gelähmter, dessen Freunde hörten, dass Jesus wieder im Haus sei. Aber der Andrang der Zuhörer war so gewaltig, dass sie mit diesem gelähmten Menschen nicht zu Jesus durchkommen konnten. In ihrer großen Liebe zu diesem gelähmten Freund, für den sie unbedingt etwas tun wollten, stiegen sie auf das Dach des Hauses, in dem Jesus weilte, und deckten kurzerhand das Dach ab. Anschließend machten sie ein Loch um ihren Freund an vier Seilen hebend zu Jesus, der offenbar unter Ihnen gesessen haben musste, herunterzulassen, damit er IHN segnen mochte, dass er ihn gesund machte. Eine Begebenheit mit enormer Beispielhaftigkeit: der Glaube und das Vertrauen der vier Freunde in Jesus waren unvorstellbar groß. Wie sonst hätten sie diesen extremen Aufwand betrieben. Das macht man nur, wenn man von einer Sache überzeugt ist. Sie mussten doch damit rechnen, dass sie diesen Schaden am Dach zu beseitigen hatten, dass da Geld notwendig sein würde, dass die Hauseigentümer sie mit Gewalt an ihrem Vorhaben hindern werden, dass da viel Konfliktpotential enthalten war. Das hat sie alles nicht gehindert, sie glaubten an Jesus von Nazareth, dafür nahmen sie alles in Kauf!

Und wie reagierte Jesus? Er half doppelt! Erst hat ER diesem Gelähmten als erster Person der Menschheitsgeschichte überhaupt seine Sünden vergeben, anschließend auch noch seine Krankheit geheilt: »Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von Vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.« (Mark2,1-12)

Man stelle sich vor: Die erste Sündenvergebung der Menschheit erfolgte in Kapernaum. Was hat diese Stadt für eine Bedeutung aus christlicher Sicht! Aber auch wieder ein Zeichen SEINER göttlichen Macht, dieses Mal nicht mehr nur über die Natur oder über unreine Geister, nein jetzt über den geistigen Tod! Denn nach dem Gesetz der Gerechtigkeit gewinnt der Tod durch die Sünde Macht über den Menschen.

Bevor er diesen Gelähmten seinen Körper heilte, machte er ihm erstmal ein Geschenk von unvorstellbarer Tragweite. Der Ur-Feind Gottes, das unausweichliche Schicksal der Menschheit, die Trennung von Gott durch die Sünde, der ewige Tod, wurde in Kapernaum erstmals in die Schranken verwiesen. Durch die Sündenvergebung verlor der Tod an diesem Gelähmten zunächst seine Macht.

Ein erster Hinweis, mit was für einem Segen die Menschheit bald rechnen darf. Der Tod, die ewige Trennung von Gott, wird seine schreckliche Macht durch den Opfertod Jesu verlieren. Dann können von Jesus Bevollmächtigte allen Menschen die Sünden vergeben. Siehe die Begebenheit, also Jesus seinen Aposteln dazu explizit die Vollmacht erteilte: »Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.« (Joh20, 21-23)

Nebenbei heilte er auch der Schwiegermutter von Petrus, die am Fieber erkrankt war.