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Leseprobe

Ein paar Kilometer nördlich von Tiberias findet man die umfangreichen Ausgrabungen der Stadt Kapernaum. Ebenfalls am See Genezareth gelegen. Der namhafte Petrus, Leiter der frühen christlichen Gemeinden, und sein Bruder Andreas lebten in dieser weltberühmten Provinzstadt.

Ich muss zu den Führungen von Kapernaum etwas bemerken. Die normale Besichtigung, das gewöhnliche »Touri-Programm«, geht da leider nur routinemäßig durch. Klar, Kapernaum, »the town of Jesus«, wie man auf der großen Tafel am Eingang der Grabung liest, ist an sich spektakulär. Aber was wird von den Guides erklärt? Es werden einem die Ausgrabungen von Privathäusern, die ehemalige Synagoge, das vermutliche Haus der Schwiegermutter des Petrus`, die im letzten Jahrhundert von einem römischen Stararchitekten darüber gebaute Kirche gezeigt. Die Guides versuchen dir den Baustil dieses modernen Gotteshauses und sonstige Kunstsinnigkeiten zu erklären. Du siehst Reste alter Meilensteine, antike Mühlsteine, ein paar wilde Katzen mit ihren Jungen etc. Dann hat man noch etwas Zeit für sich selbst. Keiner der Reiseführer geht aber ausführlich auf die Signifikanz gerade dieses Ortes ein.
Falls einmal ein Leser diesen so bedeutungsvollen Ort besuchen sollte, möchte ich ihn auf ein paar für die gesamte christliche Welt bedeutsame Tatsachen hinweisen:

Zuerst hat diese Stadt ihre unvergleichbare Bedeutung, weil Jesus genau hier zu lehren begonnen hatte. Das Markusevangelium beschreibt den Beginn am präzisesten.

Wie fing alles an?
Unmittelbar vor der Stadt kam Jesus an das Seeufer und traf »rein zufällig« Fischer bei ihrer Arbeit an. Eigentlich keine ungewöhnliche Sache, an einem See-Ufer Fischer bei der Arbeit anzutreffen. Wenn man das so liest, denkt man sich nichts dabei. Es war halt »Zufall«, eine »Laune« von Jesus, einmal am See entlangzugehen. So könnte man es auffassen. Aber wieso ging Jesus ausgerechnet hier entlang? ER wohnte doch in Nazareth, das rund dreißig Kilometer entfernt liegt. ER hätte ja dort einen Spaziergang unternehmen können und rein »zufällig« dort Leute treffen können. Weshalb spazierte er nicht um sein Dorf herum?
Bekanntlich wurde Jesus nach der Taufe durch Johannes dem Täufer vom „Geist“ in die „Einöde“ geführt. Und die befindet sich im Süden, die Judäische Wüste. Er hatte dort vierzig Tage zugebracht. Warum der „Geist“ ihn in die Wüste führte, damit er sich dort für eine so eine lange Zeit in der Einsamkeit unter wilden Tieren und ohne Nahrung aufhielt, dafür liefert die Heilige Schrift nur eine allgemeine Begründung: Er sollte sich dort von Satan versuchen lassen. Eine kleine aber interessante Bemerkung in der Heiligen Schrift. „Jesus aber, voll Heiligen Geistes, kam zurück vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht“. (Lukas 4,1-2)

Und das hat Jesus massiv erleben müssen. Die Wüste, ein unwirtlicher Ort, der einen kultivierten Menschen ohnehin schwächt. Hinzu kam sein extrem langes Fasten, was ihn zusätzlich enorm beeinträchtigte. Es heißt, dass er vierzig Tage lang von Satan versucht wurde, permanent, es muss wie ein „Krieg“ gewesen sein. In einer Phase der Schwäche sich diesen starken und permanenten Versuchungen auszusetzen, das war der Auftakt seiner Mission als Messias. Man kann nur erahnen, welche Geschütze der Verführung, Satan gegen den Sohn Gottes in Stellung brachte. Lediglich drei Versuchungen sind überliefert. Gegen Ende seines Aufenthaltes in der Wüste, nach vierzig Tagen Fasten wurde er mit der wohl schwersten Versuchung konfrontiert: Satan forderte ihn auf, aus den Steinen Brot zu machen. Man stelle sich vor, du fastest vierzig Tage. Jeden Tag verspürst du Hunger, der immer schlimmer wird. Du bekommst Schmerzen, Kreislaufprobleme machen dir das Aufstehen schwer. Du verlierst so viel Gewicht, dass du dich selbst nicht mehr erkennst. Tag und Nacht träumst du von deinen Lieblingsspeisen. Auf der anderen Seite hättest du die Macht, nur mit einem Fingerschnippen aus Steinen Brot werden zu lassen. Was für eine Situation für Jesus. Immer wieder verwirft er solche Gedanken aus Steinen Brot  zu machen. Er will seine Macht nicht für den eigenen Vorteil missbrauchen. Und jetzt, in dieser schlimmen Lage, kommt der Versucher zu ihm und macht genau diesen rettenden Vorschlag. Eine Lösung, die ihm längst gut bekannt ist, die er während der vergangenen Tage oft in Erwägung gezogen hat, die er aber stets von sich gewiesen hatte. Wie vertraut war ihm diese Lösung des Problems. Wäre eine solche Lösung überhaupt etwas Böses, eine Sünde? Steht hinter diesem Gedanken wirklich Satan, sein Widersacher? Aus Steinen Brot zu machen würde doch niemanden schaden, kein Unrecht verursachen, wäre doch eine Möglichkeit, um zu überleben, um nicht den Hungertod zu sterben. Aber Jesus besaß die Gabe, die Geister zu unterscheiden. Er erkannte den Geist, der hinter diesem „hilfreichen“ Hinweis steckte. Es war sein Widersacher, der Ur-Feind Gottes und aller seiner Geschöpfe. Der Satan.