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Leseprobe

Der berühmte Prophet oder Priester Elia gleicht von seinem Handeln und seiner Bedeutung hergesehen, Johannes dem Täufer. (s. „Showdown unter Gottheiten“). Sein direkter Nachfolger Elisa aber war komplett anders ausgerichtet. Sein Wirken besitzt eher Parallelen zum Walten Jesu. So wie die frühen Strahlen der wärmenden Sonne am Morgen, wirft das Wirken Elisas Licht auf das spätere Gnadenwirken Jesu. Wie kein anderer Prophet verkörperte er schon früh die christliche Lehre von der Barmherzigkeit, gepaart mit einem wahrhaftigen Charakter, wie ihn auch Jesus vorlebte.
Im Gegensatz zu den späteren »Wortpropheten« war er ein »Wunderprophet«. Mindestens sechszehn Wunder werden ihm zugeschrieben. Fast immer ging es dabei um ein humanes Werk, mit dem Menschen in Not geholfen wurde. Ja, selbst sein Leichnam sorgte noch für eine Sensation: Als man nämlich während seines Begräbnisses eine andere Leiche ebenfalls in die gleiche Grube legte, wurde dieser Mann wieder lebendig und »stand auf«.
Wieso aber steht dieser Prophet so im Schatten anderer Propheten? Niemals tat ein Prophet so viele Wunder wie Elisa.

Er war kein Einzelgänger wie Elia, sondern Vorstehereiner Prophetenschule am Heiligtum in Gilgal, unmittelbar bei Jericho gelegen. Ein Prophet mit Herz, dem die Not anderer nicht gleichgültig war. Als »Mann Gottes«, quasi als Visitenkarte eines barmherzigen Gottes, schuf er bereits in alttestamentarischen Zeiten Vertrauen in Gottes barmherziges Wesen, wie es Jesus später lehrte. Ein Lichtschein, ein Stern der Orientierung, ein Zeichen der anbrechenden Gnadenzeit mit Jesus Christus. Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit waren Elisas Credo.

Einige seiner Wunder besitzen dementsprechend einen engen Bezug zum späteren Wirken Jesu.
So kamen eines Tages die Einwohner von Jericho zu ihm und beklagten, dass das Wasser in der Stadt „böse“ sei. Es machte die Bevölkerung krank und Mensch und Tiere unfruchtbar. Was konnte er tun? Als ob es eine Selbstverständlichkeit sei und es zu seinem Beruf gehörte, verunreinigte Quellen wieder genießbar zu machen, ließ er sich eine Schale mit Salz bringen, ging hinaus zur Quelle, warf dort das Salz hinein und sprach:
So spricht der HERR: „Ich habe dies Wasser gesund gemacht; es soll hinfort weder Tod noch Unfruchtbarkeit von ihm kommen.“ So wurde das Wasser gesund bis auf diesen Tag nach dem Wort Elisas, das er sprach.“
(2.Kön2,19-22)
Eine evidente Metapher für die Lehre Jesu: Jesus selbst machte die Feststellung, dass sein Wort das Wasser des Lebens ist. Wer von diesem Wasser trinkt, wird in der Seele gesunden und wird (ewig) leben!

Bei seinem König aber auch bei dem König des Südreiches, Joschafat, galt Elisa ebenso als ein Mann, bei dem des „Herrn Wort“ war.
Wieder so ein Zeugnis, so ein Hinweis auf das Wirken Jesu: „Bei Jesus war das Wort Gottes.“ Wie vorhin erwähnt, bezeugte er öffentlich, dass seine Worte nicht von ihm kommen, sondern von seinem Vater, von Gott. Das Wort Gottes war bei Jesus. Ebenso bei Elisa, er wurde vom Volk als »Sprecher des Wortes Gottes« anerkannt und bei bevorstehenden Entscheidungen um Rat und damit um „Gottes Wort“ oder „Gottes Rat“ gebeten.

Aber hauptsächlich galt sein Engagement einfachen Menschen, die in Not geraten waren. So auch einer Witwe, deren Gatte einst als Prophetenjünger Mitglied in der Prophetenschule in Gilgal war.
Die »Prophetenjünger« lebten von den Spenden und Almosen der Bevölkerung. Die Wenigsten verfügten noch über andere Einkünfte. Sie galten als arm. Als der Gatte der Witwe verstarb, verlor diese Familie zusätzlich ihre kümmerliche wirtschaftliche Grundlage. Es hatten sich offenbar Schulden angehäuft, welche die Witwe mit ihren Kindern in existenzielle Not gerieten ließ. Sie konnte ihre Verpflichtungen nicht mehr begleichen. Nach damaligem Recht stand es dem Schuldherrn frei, die Kinder für sechs Jahre zu leibeigenen Knechten zu machen. Wäre dies geschehen, so wären selbst die geringen Beiträge der Kinder, sie mussten in antiker Zeit durch ihre Mitarbeit in der Landwirtschaft oder anderen einfachen Arbeiten, einen Beitrag zum Haushaltseinkommen leisten, verloren gegangen. Hätte man der Witwe die Kinder weggenommen, wäre ihre wirtschaftliche Existenz am Ende gewesen und sie hätte als Bettlerin ihr Dasein bestreiten müssen.
In dieser verheerenden Lage befand sich diese arme Frau, als sie sich an den Priester wandte.
Elisa fragte sie zunächst, ob sie überhaupt noch etwas besitze. Nein, da sei nichts mehr vorhanden, was man hätte verkaufen können, außer einem letzten Krug mit Öl. Das war ihr letzter Besitz. Was für eine Armut. Wovon sollte sie weiter leben, geschweige denn, womit ihre Schulden bezahlen?
Elisa gab ihr einen sonderbaren Auftrag: Sie solle sich von all ihren Nachbarn leere Gefäße leihen, aber nicht zu wenige. Danach solle sie alle Gefäße im Haus aufstellen und die Tür verschließen. Anschließend solle sie den einen vollen Öl Krug nehmen und gemeinsam mit ihren Söhnen damit beginnen, mit diesem die anderen leeren Gefäße zu befüllen. Sobald ein Gefäß voll sei, sollten sie es zur Seite stellen und mit dem nächsten beginnen!

Wenn dir heute so ein Rat gegeben würde, wie würdest du wohl darauf reagieren? Wie würdest du wohl handeln?
Die Witwe und ihre Söhne jedenfalls hielten sich an das Wort des Priesters. Sie wollten ernsthaft mit nur einem Krug die vielen anderen Gefäße und Krüge auffüllen. Was müssen sie sich anfangs wohl dabei gedacht haben? Oder welche Reputation musste Elisa bei diesen Menschen gehabt haben, dass sie auf solch einen „irrwitzigen“ Rat hörten!
Also, sie fingen an und füllten das erste Gefäß. Unvorstellbar, obwohl das zu füllende Gefäß größer war, als der Krug, den einer der Söhne in den Händen hielt, hatte das funktioniert und das grandiose dabei, das Öl aus dem Krug lief weiter. Der Pegel des Öls im Krug ist dabei nicht gefallen. Zuversicht machte sich breit, mit jedem weiteren Gefäß, das sie gefüllt hatten, stieg ihre Stimmung. So füllten sie ein Gefäß nach dem anderen. Unfassbar, das kostbare Speiseöl floss ohne Unterlass! Was für eine Situation für diese arme Familie. Irgendwann konnte der andere Sohn kein leeres Gefäß mehr finden, da versiegte der Strom. Das Öl hörte auf zu fließen. Im ganzen Haus hatte es nun vollgefüllte Gefäße. Unvorstellbar. Kann man sich die Freude vorstellen, mit der sie zu Elisa kam und ihm alles berichtete? Elisas Kommentar war knapp: „Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deinen Schuldherrn; du aber und deine Söhne, nährt euch von dem Übrigen.«
Elisa selbst wollte sich nicht, nicht mit einem Tropfen von dem wertvollen Öl entlohnen lassen. Nachahmenswert, wie Elisa seine Gottesgabe einsetzte, um einer in existenzielle Not geratenen Mutter zu helfen. Was charakteristisch für dieses Wunder ist: Er segnete das Wenige, was noch vorhanden war, ganz so wie Jesus bei